Alexander Borissowitsch Godunow: Leben, Ballett und Hollywood

Anna Schmidt By Anna Schmidt
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Alexander Borissowitsch Godunow war weit mehr als nur der Schauspieler Karl aus Stirb langsam. Der 1949 auf Sachalin geborene Tänzer wurde zunächst als herausragender Star des Bolschoi-Balletts bekannt, bevor seine Flucht aus der Sowjetunion 1979 weltweit für Schlagzeilen sorgte. Später setzte er seine Karriere beim American Ballet Theatre fort und arbeitete in Hollywood.

Für viele deutsche Zuschauer ist Godunow vor allem durch seine Rolle als Karl in Stirb langsam bekannt. Sein eigentliches künstlerisches Vermächtnis liegt jedoch im Ballett, wo er als Premier danseur des Bolschoi und später als Principal Dancer des American Ballet Theatre große Erfolge feierte.

Wer war Alexander Borissowitsch Godunow?

Alexander Borissowitsch Godunow, international meist als Alexander Godunov bezeichnet, war ein sowjetisch-russischer Balletttänzer und später US-amerikanischer Schauspieler. Er wurde am 28. November 1949 auf der Insel Sachalin im damaligen sowjetischen Fernen Osten geboren und starb 1995 in West Hollywood im Alter von 45 Jahren.

Seine frühe Ausbildung erhielt Godunow in Riga. Dort besuchte er eine Ballettschule und lernte gemeinsam mit Michail Baryschnikow, der später ebenfalls zu einem der bekanntesten russischstämmigen Tänzer der Welt wurde. Diese Verbindung sollte für Godunows späteres Leben noch einmal eine wichtige Rolle spielen.

Nach seiner Ausbildung arbeitete Godunow zunächst bei einer Tanzkompanie unter Igor Moissejew. 1971 wechselte er zum Bolschoi-Ballett und entwickelte sich dort schnell zu einem der auffälligsten männlichen Tänzer seiner Generation.

Kurzüberblick

InformationDetails
Vollständiger NameAlexander Borissowitsch Godunow
Geboren28. November 1949
GeburtsortSachalin, damalige Sowjetunion
BerufBalletttänzer und Schauspieler
Bekannt fürBolschoi-Ballett, American Ballet Theatre, Stirb langsam
Bedeutende VerbindungMichail Baryschnikow
EhefrauLjudmila Wlassowa
Bekannte PartnerinJacqueline Bisset
GestorbenMai 1995 in West Hollywood
Alter beim Tod45 Jahre

Seine Karriere beim Bolschoi-Ballett

Godunows Aufstieg beim Bolschoi war bemerkenswert. Bereits mit 19 Jahren tanzte er den Prinzen in Schwanensee, einer der bekanntesten männlichen Rollen des klassischen Balletts. Später übernahm er weitere bedeutende Rollen, unter anderem in Giselle und anderen klassischen sowie modernen Produktionen.

Seine körperliche Erscheinung spielte dabei ebenso eine Rolle wie seine Technik. Godunow war außergewöhnlich groß für einen klassischen Balletttänzer und fiel durch seine Sprungkraft, Bühnenpräsenz und dramatische Ausdrucksstärke auf. Zeitgenössische Berichte beschrieben ihn als besonders auffälligen und charismatischen Tänzer.

1973 gewann Godunow eine Goldmedaille beim Moskauer Internationalen Wettbewerb. Im selben Zeitraum wurde er auch durch internationale Tourneen des Bolschoi einem größeren Publikum außerhalb der Sowjetunion bekannt.

Seine Karriere entwickelte sich damit zu einer Zeit, in der sowjetische Spitzentänzer international eine besondere kulturelle Bedeutung hatten. Eine Reise ins westliche Ausland war für Künstler aus der Sowjetunion nicht nur eine normale berufliche Angelegenheit, sondern konnte auch politische Bedeutung bekommen.

Die spektakuläre Flucht aus der Sowjetunion 1979

Der Wendepunkt in Godunows Leben kam im August 1979 während einer Tournee des Bolschoi-Balletts in den USA. In New York bat er um politisches Asyl und entschied sich damit, nicht in die Sowjetunion zurückzukehren.

Die Situation wurde zusätzlich kompliziert, weil seine Ehefrau Ljudmila Wlassowa ebenfalls Mitglied des Bolschoi-Balletts war. Wlassowa wollte in die Sowjetunion zurückkehren, während Godunow in den Vereinigten Staaten bleiben wollte. Dadurch entstand ein international beachteter Konflikt, bei dem US-Behörden die Abreise des sowjetischen Flugzeugs zunächst verzögerten, um sicherzustellen, dass Wlassowa tatsächlich freiwillig zurückkehren wollte.

Der Vorfall machte Godunow weltweit bekannt. Seine Entscheidung war zugleich ein persönlicher und künstlerischer Einschnitt: Aus einem gefeierten sowjetischen Ballettstar wurde ein Künstler, der seine weitere Karriere im Westen aufbauen musste.

Alexander Godunow und Michail Baryschnikow

Die Verbindung zwischen Godunow und Michail Baryschnikow gehört zu den interessantesten Aspekten seiner Biografie. Beide kannten sich bereits aus ihrer Ausbildungszeit in Riga und wurden später international bekannte Balletttänzer.

Nach Godunows Flucht aus der Sowjetunion kam es zu einer erneuten beruflichen Verbindung. Godunow schloss sich dem American Ballet Theatre an, wo Baryschnikow ebenfalls tätig war. Godunow wurde dort zu einem wichtigen Tänzer und trat unter anderem als Albrecht in Giselle auf. Zeitgenössische Kritiken würdigten seine Bühnenwirkung und technische Qualität.

Die Zusammenarbeit endete allerdings nicht dauerhaft harmonisch. 1982 wurde Godunow beim American Ballet Theatre freigestellt. Berichte führten dies unter anderem auf Differenzen mit Baryschnikow und auf Veränderungen im Repertoire der Kompanie zurück.

Danach trat Godunow mit verschiedenen Ensembles und als Gastkünstler auf. Er gründete zudem eine eigene Truppe und begann, seine berufliche Zukunft stärker außerhalb des klassischen Balletts aufzubauen.

Vom Ballett nach Hollywood

Godunows Wechsel zum Film war kein vollständiger Bruch mit seiner bisherigen Karriere. Seine Bühnenpräsenz und sein markantes Erscheinungsbild machten ihn auch für Filmrollen interessant.

Sein US-amerikanisches Filmdebüt hatte er 1985 in Der einzige Zeuge (Witness) mit Harrison Ford. Dort spielte er den Amish-Bauern Daniel Hochleitner.

Ein Jahr später war er in der Komödie Geschenkt ist noch zu teuer (The Money Pit) als Dirigent Max Beissart zu sehen. Seine bekannteste Hollywood-Rolle folgte 1988 in Stirb langsam (Die Hard), wo er den Terroristen Karl spielte.

Gerade Stirb langsam sorgt dafür, dass sein Name auch Jahrzehnte nach seinem Tod außerhalb der Ballettwelt bekannt bleibt. Für Ballettinteressierte ist seine Filmkarriere dagegen eher ein später Abschnitt einer bereits außergewöhnlichen Tanzlaufbahn.

Zu seinen weiteren Filmauftritten gehören unter anderem The Runestone, Waxwork II und North. Damit hinterließ Godunow trotz seiner vergleichsweise kurzen Hollywoodkarriere eine erkennbare Spur im US-amerikanischen Film.

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Wer war die Ehefrau von Alexander Godunow?

Alexander Godunow war mit der sowjetischen Balletttänzerin Ljudmila Wlassowa verheiratet. Beide gehörten dem Bolschoi-Umfeld an. Die Ehe wurde durch Godunows Flucht 1979 besonders bekannt, weil Wlassowa sich entschied, in die Sowjetunion zurückzukehren.

Die Ehe bestand nicht dauerhaft. Godunow und Wlassowa ließen sich später scheiden; als Scheidungsjahr wird 1982 angegeben. Kinder hatte das Paar nicht.

Nach der Trennung wurde Godunow außerdem mit der Schauspielerin Jacqueline Bisset in Verbindung gebracht. Die beiden führten über mehrere Jahre eine Beziehung, die schließlich 1988 endete.

Bei anderen im Internet auftauchenden Behauptungen über Beziehungen oder Affären sollte man vorsichtig sein. Nicht jede biografische Darstellung verfügt über dieselbe Quellenqualität, weshalb unbestätigte Angaben nicht als gesicherte Tatsachen dargestellt werden sollten.

Woran starb Alexander Godunow?

Godunow starb im Mai 1995 in seiner Wohnung in West Hollywood. Sein Tod wurde damals als Tod aus natürlichen Ursachen behandelt; zeitgenössische Berichte verwiesen zugleich auf gesundheitliche Probleme im Zusammenhang mit Alkohol.

Bei der genauen Datierung gibt es eine Besonderheit. Mehrere Quellen nennen den 18. Mai 1995 als den Tag, an dem Godunow tot aufgefunden wurde, während andere biografische Daten den 13. Mai als Todesdatum angeben. Der Grund für die Abweichung liegt darin, dass er bereits mehrere Tage tot gewesen sein könnte, bevor sein Körper entdeckt wurde.

Als Todesursache werden in biografischen Darstellungen Komplikationen im Zusammenhang mit Hepatitis und chronischem Alkoholmissbrauch genannt. Zeitgenössische Berichte bestätigten, dass es keine Hinweise auf Suizid oder ein Fremdverschulden gab.

Die vorsichtigste Zusammenfassung lautet deshalb: Alexander Godunow starb 1995 im Alter von 45 Jahren an gesundheitlichen Folgen, die mit chronischem Alkoholmissbrauch und Hepatitis in Verbindung gebracht wurden.

Welche Filme mit Alexander Godunow sind besonders bekannt?

Für das heutige Publikum sind vor allem seine amerikanischen Filmrollen interessant. Seine Filmografie war deutlich kleiner als seine Ballettkarriere, doch einige Produktionen sind bis heute bekannt.

JahrFilmRolle
1975Anna KareninaAlexei Wronski
1985Der einzige ZeugeDaniel Hochleitner
1986Geschenkt ist noch zu teuerMax Beissart
1988Stirb langsamKarl
1990The RunestoneSigvaldson
1992Waxwork IIScarabis
1994NorthAmish Dad

Besonders Stirb langsam ist für deutsche Zuschauer relevant, weil der Film bis heute zu den bekannten Actionklassikern gehört. Godunows Rolle als Karl war zwar nicht seine größte schauspielerische Aufgabe, wurde aber durch seine auffällige Erscheinung und seine Verbindung zur internationalen Ballettszene unverwechselbar.

Seine Karriere zeigt außerdem, dass Godunow nicht einfach vom Ballett zum Film wechselte, weil seine Tanzkarriere beendet war. Er versuchte vielmehr, nach den Veränderungen in seinem Leben eine neue künstlerische Richtung zu finden.

Warum ist Alexander Borissowitsch Godunow heute noch bekannt?

Godunows Bekanntheit beruht auf mehreren miteinander verbundenen Teilen seines Lebens. Erstens war er ein bedeutender Tänzer des Bolschoi-Balletts. Zweitens wurde seine Flucht aus der Sowjetunion 1979 zu einem internationalen politischen und kulturellen Ereignis. Drittens konnte er sich nach seiner Übersiedlung in die USA auch als Schauspieler etablieren.

Hinzu kommt seine Verbindung zu Michail Baryschnikow, einem weiteren herausragenden Tänzer seiner Generation. Ihre gemeinsame Ausbildung, ihre spätere Karriere im Westen und ihre beruflichen Differenzen machen ihre Biografien zu einem besonders interessanten Kapitel der Geschichte des Balletts im Kalten Krieg.

Godunows Geschichte ist deshalb nicht nur eine klassische Prominentenbiografie. Sie verbindet Kunst, internationale Politik, persönliche Entscheidungen, Migration und den Übergang von der Hochkultur des Balletts zum amerikanischen Unterhaltungskino.

Häufig gestellte Fragen

1. Wer war Alexander Borissowitsch Godunow?
Alexander Borissowitsch Godunow war ein russisch-amerikanischer Balletttänzer und Schauspieler. Bekannt wurde er zunächst durch das Bolschoi-Ballett und später durch Filme wie Der einzige Zeuge und Stirb langsam.

2. Wann wurde Alexander Godunow geboren?
Er wurde am 28. November 1949 auf Sachalin in der damaligen Sowjetunion geboren.

3. Wann starb Alexander Godunow?
Er starb im Mai 1995 in West Hollywood. Als Datum wird häufig der 18. Mai genannt, wobei manche biografischen Quellen den 13. Mai angeben.

4. Wie alt wurde Alexander Godunow?
Godunow wurde 45 Jahre alt.

5. War Alexander Godunow mit Jacqueline Bisset verheiratet?
Nein. Godunow und Jacqueline Bisset waren mehrere Jahre ein Paar, aber sie waren nicht miteinander verheiratet.

6. Welche Rolle spielte Godunow in Stirb langsam?
Er spielte Karl, einen der Gegenspieler von Bruce Willis’ Figur John McClane. Der Film erschien 1988.

7. Warum verließ Alexander Godunow die Sowjetunion?
1979 beantragte er während einer Bolschoi-Tournee in den USA politisches Asyl. Er erklärte damals unter anderem, sich künstlerisch eingeschränkt zu fühlen.

Fazit

Alexander Borissowitsch Godunow war eine außergewöhnliche Persönlichkeit zwischen Ballett und Film. Vom talentierten Schüler in Riga entwickelte er sich zu einem Star des Bolschoi-Balletts, wechselte nach seiner spektakulären Flucht 1979 in die USA und setzte seine Karriere beim American Ballet Theatre sowie später in Hollywood fort.

Seine Rolle in Stirb langsam ist heute wahrscheinlich sein bekanntester Bezugspunkt für ein breites Publikum. Sein eigentliches künstlerisches Gewicht liegt jedoch in seiner Ballettkarriere und in der außergewöhnlichen Lebensentscheidung, die ihn während des Kalten Krieges von der sowjetischen Bühne in die Vereinigten Staaten führte.

Wer sich näher mit Alexander Godunow beschäftigt, sollte deshalb nicht nur seine Hollywoodfilme betrachten, sondern auch seine Jahre beim Bolschoi, seine Verbindung zu Michail Baryschnikow und die Ereignisse rund um seine Flucht von 1979. Erst zusammen ergeben diese Stationen ein vollständigeres Bild dieses ungewöhnlichen Künstlers.

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Anna Schmidt ist eine deutsche Journalistin und Autorin bei neueszeitung.de, wo sie über aktuelle Themen aus Politik, Gesellschaft und Kultur schreibt. Mit einem scharfen Blick für Details und einer klaren, zugänglichen Schreibweise bringt sie komplexe Sachverhalte auf den Punkt und macht sie für ein breites Publikum verständlich. Ihre Leidenschaft für fundierte Recherche und unabhängigen Journalismus spiegelt sich in jedem ihrer Artikel wider, und sie setzt sich dafür ein, ihren Lesern stets verlässliche und gut recherchierte Informationen zu liefern.
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